Wirtschaftliche  Katastrophenbilanz der  Gaskraftwerke

 

09.05.2013

6  Jahre lang hat das Stadtwerke-Management und der Verbund das Gaskraftwerk  als Superprojekt für Klagenfurt verkauft. Die Weltwirtwirtschaftskrise 2008,  die damit verbundenen neuen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen und alle wirtschaftlichen Warnungen hat man bis zum Schluss ignoriert.

 Jetzt kämpfen  alle Gaskraftwerke in Österreich, Deutschland und Italien mit massiven wirtschaftlichen Problemen.  Österreich  hat  russisches Erdgas mit Langfristverträgen um 30 Milliarden Euro viel zu teuer eingekauft und damit mindestens 5 Milliarden Euro verspekuliert. Insgesamt hat Russland mit Europa Gaslieferungen in der Höhe von 1000 Milliarden Euro für die nächsten 25 Jahre fixiert. Jetzt sagt auch Verbundchef Anzengruber, dass Europa das russische Erdgas viel zu teuer eingekauft hat.

Das neue 550 Mio. € teure Verbund-Gaskraftwerk in Mellach /Graz (zweimal die Größe von Klagenfurt) steht still und der 2 Mrd. € teure russische Erdgasvertrag wird mit hohem Verlust weiterverkauft. Der Verbund will mit seinen Beteiligungen in der Türkei (gerade verkauft), in Italien und Frankreich insgesamt 10 Gaskraftwerke abstoßen. Ähnlich die Situation in Oberösterreich. Sowohl die Linz AG als auch die Energie AG betreiben ihre Gaskraftwerke, darunter das Vorzeigeprojekt Timelkamm, mit  hohen  Verlusten.

Noch dramatischer ist die Situation für die Wien Energie AG, die bis zu 90% ihres Stroms mit eigenen Gaskraftwerken erzeugt.  Da von der Börse zugekaufter Strom billiger ist, musste man bereits 2012 die eigenen Gaskraftwerke stark zurückfahren. Wien Energie fordert jetzt sogar einen monatlichen Not-Euro von jedem Stromkunden und eine neue KWK-Förderung, um die Verluste einigermaßen abzudecken.

Der geplante Stromexportmarkt Italien ist zusammengebrochen. 2012 wurde allein in Deutschland 25% weniger Gas-Strom erzeugt.  Viele Gaskraftwerke produzieren  nur 1000h statt erforderlicher 4000h. Ähnlich ist die Situation in Österreich und Italien.

Mittlerweile hat sich auch der Strompreis von 80 auf 40 Euro halbiert und damit alle früheren Planungen der Energiewirtschaft abgestraft.

Große Diskussionen auch in Bayern. Dort wollte man ursprünglich noch 5 Gaskraftwerke dazu bauen. Jetzt soll  sogar eines der modernsten und energieeffizentesten Gaskraftwerke der Welt, das Vorzeigprojekt Irsching 5 mit Ende März abgeschaltet werden, weil es zu hohe Verluste für die Energiekonzern produziert.  Dieses Werk wurde erst vor 3 Jahren von der Bayrischen Politprominenz groß eröffnet. Eon will jetzt 30 Gas- und Kohlekraftwerke mit insgesamt  10 GW in Deutschland schließen und in den nächsten 10 Jahren in keine neuen fossilen Kraftwerke investieren.

Insgesamt hat sich die gesamte Energiebranche schwerwiegend verplant. Dies zeigt wie risikoreich das Energiegeschäft wirklich ist. In dieser Branche wollten Klagenfurter und Kärntner Politiker mitspielen. Seit der großen Protestveranstaltung gegen das Gaskraftwerk und der Entscheidung des Umweltsenats ist nicht einmal ein Jahr vergangen. Jetzt müsste allen klar sein, dass Klagenfurt damit nicht nur im internationalen Fußball und im Bankwesen sondern auch im Energiegeschäft ein riesengroßes Verlustdenkmal errichtet hätte. Wie das Eisenbahndesaster Koralmbahn, das sich nicht mehr verhindern lässt.

Allein Dank des jahrelangen Kampfes der Bürgerinitiativen und Bürger, einzelner Vertreter der Politik und der Wirtschaft (wie die Grünen, die Gemeinden Ebenthal und Magdalensberg, die Landwirtschaftskammer, und viele andere mehr) hat Klagenfurt/Kärnten das Glück, dass dieses 500 Mio. Euro Verlustprojekt Gaskraftwerk Klagenfurt nicht realisiert wurde (350 Mio. Gaskraftwerk, plus 100 Mio. neue Gaspipeline, plus  dreistellige Millionenverluste aus einem            1 Mrd. teurem Gasliefervertrag). Sie kämpften dabei gegen erbitterte Projektbefürworter, wie die Stadtwerke-Vorstände, Verbund-Manager, viele Politiker, sowie Vertreter von Wirtschaft und Industrie, und deren Experten, die das Projekt bis zuletzt mit aller Gewalt durchdrücken wollten.  Und  - man kann nur staunen - es gibt noch heute unbelehrbare „Experten“ in Kärnten.

Es ist immer das gleiche Muster.  Die Politik startet vollkommen überzogene Megaprojekte, die zu gigantischen Investitionsruinen werden. Wie in Salzburg werden auch in Kärnten riesige Millionenentscheidungen von einigen wenigen Personen, in der Regel keine Fachleute, getroffen, ohne dass unabhängige Experten und Prüfer, wie der Landesrechnungshof oder Bundesrechnungshof  bereits im Vorfeld eingeschaltet werden. Für die Verluste haften die Bevölkerung und die Steuerzahler. Ein Totalversagen des Kärntner Systems, das in Zukunft hoffentlich geändert wird.

gdk_foto_stopp.jpg